18.03.2019

Kirche und Supervision

Vom 18. – 21. März 2019 fand eine Fachtagung zum Thema Supervision in kirchlichen Berufsfeldern statt.

Eingeladen hatten die Zuständigen für Supervision der Diözese Speyer, die Deutsche Gesellschaft für Supervision (DGSv) und die Deutsche Gesellschaft für Pastoralpsychologie (DGfP). Getagt haben wir in der katholischen Akademie in Ludwigshafen.

Ludwigshafen ist nicht wirklich eine schöne Stadt. Und das Hotel, in dem einige der Teilnehmenden und ich untergebracht waren, ist gefühlt mitten auf der Autobahn stationiert. Es war laut. Denn die Doppelverglasung isoliert nicht genügend. Das Hotel hat den Charme der 70er Jahre verbreitet. Dafür war der Blick aus dem 11. Stock über das Gewerbegebiet, die Autobahn bis nach Mannheim umso spektakulärer.

Das Vorbereitungsteam war gastfreundlich und gut strukturiert. Mit Humor, Charme und Wertschätzung gelang es dem Team von Anfang an, die ca 120 Teilnehmenden in die Fachtagung einzubeziehen. Ich war zum ersten Mal auf dieser Tagung, die es seit über 20 Jahren gibt, und viele andere mit mir. Es war erstaunlich einfach, in die Gruppe derjenigen, die sich schon lange kennen, hereinzukommen. Neugier, Aufgeschlossenheit und Kollegialität wurden groß geschrieben.

Die Themen von Vorträgen und Workshops waren vielfältig. Zum einen ging es darum, die verschiedenen Supervisionsschulen vorzustellen. Ziel war es, schulübergreifend miteinander ins Gespräch zu kommen und zu schauen, wie sich verschiedene theoretische und inhaltliche Grundannahmen und die dazugehörigen Interventionen über die Jahrzehnte miteinander vermischt, verknüpft und verbunden haben und was das für die jeweiligen Schulen und ihre Vertreter*innen heißt.

Insbesondere die Theologie als Proprium der Pastoralpsychologie wurde im Eingangsvortrag von Kerstin Lammer (Foto oben), Professorin für Seelsorge und Pastoralpsychologie an der Evangelischen Hochschule in Freiburg scharf gestellt.
Eine ihrer Thesen war es, dass Seelsorge und Supervision nicht als Orte der Verkündigung oder gar Mission missbraucht werden dürften. Die Anlässe von Supervision seien aber sehr wohl Orte, an denen biblische Geschichten, religiöse Rituale und theologische Erkenntnisse Deutungskategorien für die Supervisand*innen bereit halten könnten, solange sie als Angebote formuliert und niemandem übergestülpt würden.

Der Praktische Theologe und Supervisor Professor Frank Austermann von der Universität in Hannover hat am letzten Tag der Tagung den Abschluss gemacht.

Seine Frage: Welche Bedeutung hat die Supervision für die zukünftige Kirchenentwicklung der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland.

Seine Antwort: Supervision hat nicht die Aufgabe, Mitarbeitende der Kirchen zu optimieren, sie in ihrer Karriere zu fördern oder fit zu bleiben für den Arbeitsmarkt.

Supervision habe vielmehr eine gesellschaftskritische Aufgabe. Sie solle Zeit und Freiraum einräumen, um sich Kirchenentwicklung in einem größeren gesamtgesellschaftlichen Kontext betrachten und kritisch nach der Bedeutung diakonischer und karitativer Arbeit fragen zu können.

Es gehe außerdem um die Frage, nach überzogenen Erwartungshaltungen von Gemeindegliedern und Kirchenleitungen gegenüber ihren Mitarbeitenden und nach der zunehmenden Beschleunigung der Lebenswelten angesichts von Digitalisierung und ständiger Erreichbarkeit der Menschen in ihren verschiedenen Lebenswelten.

Die Tagung bot neben den Vorträgen zahlreiche interessante Workshops und ein gutes Rahmenprogramm an. Ich habe darüber hinaus vor allem einige spannende Kollegen und Kolleginnen kennen gelernt. Ich werde in zwei Jahren in Freiburg auf jeden Fall wieder dabei sein.

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