14.03.2019

Loslassen

Ein Monat ist es jetzt schon her, dass ich meinen letzten Arbeitstag im Evangelischen Studienwerk in Villigst hatte.

Seitdem habe ich meine Wohnung aufgelöst, meine Sachen verpackt und eingelagert, bin nach Köln umgezogen und habe einige wenige Kisten für mein Sabbatjahr nach Köln mitgenommen. Diese Kisten sind noch nicht alle wieder ausgeräumt und verstaut. Vorher muss ich noch Platz schaffen und aufräumen. Das braucht Zeit und Kraft. Die habe ich noch nicht gefunden.

Seit meinem letzten Arbeitstag habe ich mir immerhin auch schon  Unterbrechungen gegönnt: Ich war beim Treffen des Mentoringprogramms des Europäischen Forums christlicher LSBT Gruppen in Warschau. 14 Tage später war ich eine Woche mit Familie und Freund*innen in Finnland Skilanglaufen. Wo bin ich gerade und mit wem und warum?

Seit ich aus Finnland zurückgekommen bin, versuche ich mich zu sortieren. Ich bin dabei letzte Schreibverpflichtungen zu erledigen und alle möglichen Orga-Sachen zu klären, die an meinem Umzug hängen: Ummelden, Strom und Internet abmelden, lange Debatten mit meinem Online-Anbieter über Kündigungsfristen führen, einen letzten Supervisions-Workshop vorbereiten, den ich noch anbieten werde, und so weiter und so fort.

Und dazwischen?  Dazwischen bewege ich mich wackelig im Niemandsland.
Ich habe das Alte noch nicht ganz losgelassen, fühle mich taub und verwirrt. Meine Seele hängt irgendwo zwischen den Kisten und Wohnorten, und ich bin traurig über das, was zu ende gegangen ist.

Das Niemandsland ist real. Es fühlt sich schwer an, auch wenn ich mich auf das Neue freue. Aber noch ist dafür nur wenig Platz. Loslassen ist keine Sache von Schalter an, Schalter aus, sondern ein Prozess. Es ist mühsam, unwirklich und schmerzhaft. In kurzen Momenten fühlt es sich befreiend und lustvoll an, aber vor allem anstrengend und verwirrend. Dazu kommt: Ich finde nichts wieder. Das eine ist im Container verpackt, das andere ist noch nicht ausgepackt, das dritte finde ich nicht, und Routinen wo, was wann ist, habe ich auch noch keine neuen entwickelt.

Loslassen ist keine Sache von Schalter an, Schalter aus, es ist eine Geisteshaltung, eine Lebenskunst, ein sich mühsam Herantasten, ein mühsamer Prozess. Daran möchte ich arbeiten und weiter üben. Denn trotz allem Durcheinander spüre ich:  Ich werde erleichtert und leichter sein, wenn ich dran bleibe. Rückschläge, Umwege, Hindernisse und Krisen inbegriffen. Also: loslassen.

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