Es ist zum Haare raufen. Die Synode der Württembergischen Landeskirche hat sich erfolgreich eingeigelt und die Kirchtüren zugemacht.  Eine attraktive Kirche sieht anders aus.

Da diskutiert die Synode (Kirchenparlament) der Evangelischen Kirche in Württemberg Ende November 2017 und diskutiert, wägt ab und zögert, windet sich und dreht sich im Kreis. Und am Schluss steht ein niederschmetterndes Ergebnis: Für gleichgeschlechtliche Paare gibt es keine kirchliche Trauung. Obwohl eine  gleichgeschlechtliche Eheschließung seit Oktober 2017 rechtlich möglich ist. Und es gibt nicht einmal eine Segnung in einem kirchlichen Gottesdienst. Selbst dieser Kompromissantrag ist am 29. November abgelehnt worden.

Wer die Gegenstimmen abgegeben hat, ist nicht wichtig. Wichtig ist die Konsequenz daraus. Kurz gesagt: Es ist ein Schlag ins Gesicht für lesbische und schwule Paare. Sie warten seit Jahren, nein seit Jahrzehnten darauf, von Kirchenparlament und Kirchenleitung gleichberechtigt und auf Augenhöhe behandelt zu werden. Die Synodendebatte und Abstimmung über die Trauung bzw. Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in kirchlichen Gottesdiensten wäre die Gelegenheit gewesen, eine entsprechende Absicht öffentlich zu  zeigen. Nicht einmal das ist gelungen.

Es ist niederschmetternd und tut richtig weh. Ich kenne viele lesbische und schwule Christinnen und Christen in der Württembergischen Landeskirche. Sie haben auf diese Synode gesetzt. Erstmals hätte es etwas werden können. Und das wäre spät genug gewesen. Denn in den meisten anderen Landeskirchen in Deutschland ist die Einführung von Segnungsgottesdiensten oder sogar Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare längst gute Alltagspraxis. Nicht so in Württemberg.

Diskriminieren will man natürlich niemanden. Nur gleichberechtigt an Gottes Segen teilhaben lassen, möchte man diejenigen, die nicht genauso lieben wie sie selbst, lieber nicht. Das geht dann doch zu weit. So viel zu einer gastfreundlichen und offenen Kirche. Der Umgang mit Minderheiten in der Kirche ist ein Lackmus-Test für die Frage, wie eine Kirche mit Menschen umgeht. Inklusive gastfreundliche Kirche? Die sieht anders aus.

Zum Schluss noch ein Textausschnitt der Hildesheimer Theologin Birgit Mattausch. Sie hat die Synode verfolgt und nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses auf Facebook einen Text dazu gepostet. Er hat mich persönlich sehr getröstet. Hier ein Ausschnitt daraus:

„Aber ihr könnt uns andere nicht von Jesus trennen. Ihr könnt uns unsere Liebe zu ihm und zu seinem Wort nicht nehmen. Ihr könnt es nicht rückgängig machen, dass Gottes Sohn einer war und einer ist, der nicht passt und der die liebt, die nicht passen.
Jesus passt nicht in euer aufgeräumtes Sakrotanleben mit euren sauberen Vorgärten, euren angeblich dauerglückenden Ehen, euren schriftgemäßen Sexualpraktiken.
Deshalb: Nehmt ihr die Kirchen, die Agenden, die Gesetze, die ganze Württembergische Landeskirche.
Wir anderen gehen so lang hinaus ins Freie. Wir gehen auf Wiesen, in Häuser, Unterführungen, Cafés. Dort segnen wir einander und wir segnen das, was zwischen uns ist. Jesus ist genauso bei uns. Und Schnaps haben wir auch.“

Amen.

 

Zum Weiterlesen:

Württemberg: Keine Segnung gleichgeschlechtlich Liebender in Gottesdiensten (2017) 

Rheinische Kirche beschließt Trauung für Homo-Paare (2016) 

Biblisches Ehe- und Familienverständnis (2015) 

Segnung Homosexueller: Bunt wie ein Regenbogen (2014) 

One comment on “Zum Haare raufen

  • Das sollte man kapieren: Die Württembergische Landeskirche bewirtschaftet in ihrem Terrain Gottes Segen und fragt nicht, ob Gott mit diesen sparsamen Verwaltern einverstanden ist. Aber keine Sorge, der Heilige Geist weht, wo er will. Die Synode hat ihn wohl abgeschreckt.

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